man hätte mehr draus machen können

Ricky Meinfeldt: Einsamer Wahn - Julia Meyer

„Ricky Meinfeldt – Einsamer Wahn“ von Julia Meyer ist eine dramatische Biographie.

 

Ricky hat es nicht leicht. Sein Vater bevorzugt seine Schwester, trinkt und schlägt, bis es zu einem tragischen Vorfall kommt. Seine Schwester stirbt nach einer Attacke seines Vaters, seine Mutter wird eingewiesen in eine Psychiatrie und er selbst kommt in eine Pflegefamilie. Doch wird es nur augenscheinlich besser für ihn. Seine Erfahrungen bringen ihn dazu zu töten.

 

Ricky meistert die Situation mit seinem Vater eigentlich relativ gut. Klar geht es ihm an die Substanz und er versteht es in seinem Alter noch nicht, doch er stellt sich ganz bewusst gegen seinen Vater. Er kann aber den Tod seiner Schwester und de Verlust seiner Mutter, nie wirklich verarbeiten. Durch den Unfall seiner Schwester hat er selbst Verbrennungen erlitten und ist gekennzeichnet. Seine Pflegefamilie nimmt ihn zwar gut auf, aber seine anderen Mitmenschen werden ihn mobben und ausgrenzen.

Außer seinen negativen Erfahrungen und deren Auswirkungen erfährt man nicht viel mehr über Ricky, seine Hobbys, sein Leben in der Familie etc.

 

Über seine Mitmenschen erfährt man auch nur wenig. Seine Pflegeeltern besitzen viel Geld und gehören zur Oberschicht. Doch was sie ausmacht ist dem Leser nicht transparent. Von Mitschülern, Bekannten oder anderen bekommt man deren Neid und Missgunst mit. Eigentlich sind sie nur „böse“ und mobben Ricky, bis er buchstäblich den Verstand verliert.

 

Der Einstieg in die Geschichte ist packend und fesselnd geschrieben, wenn auch etwas brutal, aber dies scheint seinen leiblichen Vater auszumachen. Danach folgt eine lange Durststrecke in der Rickys Lebenslauf mit all den schlechten Erfahrungen runtergerattert wird. Zwischen drin ist der erst Mord wieder spannend und sein verdrehter Verstand rückt ehr in den Fokus. Doch ein ganzer Spannungsbogen fehlt leider.

 

Auch ein paar Logikfehler haben sich eingeschlichen. Ricky liegt nach dem Unfall seiner Schwester im Krankenhaus. Dort wird er betreut und die Krankenschwester weißt ihm eine Pflegefamilie zu. Doch normal müsste sich hier das Jugendamt einschalten und den Jungen auch betreuen. Es kam zwar ein Psychologe, aber es gab keine langfristige Betreuung.

Der Klappentext weißt daraufhin, dass er in ein Heim kommt. Doch dies wird im Buch nicht erwähnt. Er kommt vom Krankenhaus direkt in seine Pflegefamilie.

 

Im Verlauf entwickelt sich Ricky immer mehr zu einem Serienmörder. Auch wenn er immer anders mordet und er nicht mit den Morden in Verdacht gebracht wird, ist es komisch das er so einfach davon kommt. Zumal er einen Mord als Raubmord darstellt und bei der Verwüstung sicherlich Spuren hinterlassen hat.

 

Hinzukommt ein Wechsel der Erzählperspektiven. Der größte Teil wird aus der Ich-Perspektive vom „jungen“ Ricky erzählt, dann wechselt es zu dem Ricky nach den Ereignissen. Dies ist zwar durch kursive Schrift markiert, doch warum dieser Wechsel statt findet entzieht ich dem Leser.

 

So manche Begebenheiten hätten plastischer dargestellt werden können um den Leser in die Geschichte zu ziehen. So hätte man Ricky auch besser verstehen können. Man wird mit kurzen Sätzen und prägnanten Worten abgespeist.

 

Was auch auffällt, dass andere Medien negativ bewerten werden und dabei namentlich genannt werden. So wird über die Biographie von Natascha Kampusch und private Fernsehsender hergezogen. Dies stößt Lesern vor den Kopf, die mit diesen Medien viel oder gerne zu tun haben.

 

Ansonsten ist der Schreibstil flüssig, leicht zu lesen und an manchen Stellen etwas derbe, aber er bleibt meist oberflächlich.

 

 

Aus Klappentext und anderen Rezis heraus dachte ich, dass es sich um einen Thriller handelt und war dann sehr verwundert über diese Biographie. Ein kurzer Austausch mit Julia Meyer stellte, dann klar warum es ging. Doch bis auf den Anfang und einigen Elementen hat mir das Buch nicht gefallen. Man hätte viel mehr drauf machen können. Die Logikfehler haben mich sehr geärgert! Auch wenn der Psychologe oder das Jugendamt nichts hätten ändern können, wären sie für mich wichtig gewesen.

 

Deswegen kann ich nur 2 von 5 Wölfen vergeben.